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Moor- und Naturschutz
STIFTUNG Lebensraum Moor ©  2015
Vermehrung und Etablierung von Bulttorfmoosen auf wiedervernässten Hochmooren nach Abtorfung Ein Kooperationsprojekt von: Hintergrund Auf Initiative des Stiftungsunternehmens Gramoflor wurden 2010 seltene heimische Bulttorfmoose sichergestellt. Um großflächige Hochmoorrenaturierungen in Vechta und Diepholz vornehmen zu können, wurden in Abstimmung mit dem Naturschutz einzelne Moorrandbereiche in die Maßnahmen einbezogen, in denen Restbestände von Sphagnum papillosum, Sphagnum magellanicum, Sphagnum capilifolium, Sphagnum imbricatum und Sphagnum rubellum erhalten waren. 2011 startete die unternehmenseigene Forschung und Entwicklung erste Vermehrungsversuche in Vechta. Ziel war von Beginn an, die für die Entwicklung von wachsenden Hochmooren wertvollen Torfmoose zurück in die Renaturierungsflächen zu bringen und langfristig wieder in Norddeutschland zu etablieren. Die intakten Bulte wurden zunächst in eigens dafür konstruierten Anzuchtwannen der Marke Eigenbau und in bereits renaturierten Moorflächen ausgebracht. Die Entwicklung war so erfolgversprechend, dass die Unternehmensleitung sich gemeinsam mit der Stiftung Lebensraum Moor dazu entschloss, die Maßnahmen auf eine wissenschaftlich fundierte Basis zu stellen. 2013 entwickelte man gemeinsam mit dem Institut für Landschaftsökologie (ILÖK) der Universität Münster ein Projektkonzept. Gegenstand ist die wissenschaftliche Erprobung von Maßnahmen der aktiven Einbringung von Torfmoosen zur Optimierung der Renaturierung von wiedervernässten Hochmooren nach Abtorfung in Nordwest- Deutschland. Aus den gewonnenen Erkenntnissen sollen die bedeutendsten Faktoren, Möglichkeiten und Grenzen der Wiederherstellung einer hochmoortypischen Vegetation im Sinne einer vollständigen Hochmoorregeneration abgeleitet werden. Mittel- bis langfristiges Ziel der Zusammenarbeit zwischen Stiftung, Wirtschaft und Wissenschaft ist es, hochmoortypische Pflanzenarten, vor allem die für die Torfbildung wichtigen Bulttorfmoose, aktiv auf Wiedervernässungsflächen auszubringen, um so einerseits diese meist seltenen Arten zu fördern, aber auch die Entwicklung der Flächen in Richtung lebendes und torfbildendes Hochmoor zu beschleunigen. Ein besonderes Augenmerk liegt hierbei auf der damit verbundenen Wiederherstellung der Kohlenstoff- Senkenfunktion infolge erneuten Torfmooswachstums und Torfbildung. 2014 wurde die Initiative von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt als förderungswürdig eingestuft. Die DBU ist eine der größten Stiftungen in Europa und fördert innovative beispielhafte Projekte zum Umweltschutz. Das auf drei Jahre angelegte Forschungsprojekt läuft unter der Trägerschaft der Stiftung Lebensraum Moor. Kooperationspartner sind Gramoflor und die Westfälische-Wilhelms-Universität Münster. Alle Beteiligten erwarten aus dem Projekt wichtige Erkenntnisse für den Moor- und Klimaschutz. Diese sollen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und insbesondere anderen Akteuren in Naturschutz, Behörden, Wissenschaft und Torfwirtschaft in Form von „Best-Practice“-Ansätzen“ direkt vermittelt werden. Eine Verbesserung der aktuellen Renaturierungspraxis in abgetorften Mooren, ein Leitfaden für zukünftige Renaturierungen und ein Monitoring-Konzept sind Ziele des gemeinsamen Projekts, dessen Ergebnisse von großer Bedeutung für den Moor- und Klimaschutz sein könnten. Der Entsprechende Wissenstransfer soll in Zusammenarbeit mit dem Europäischen Fachzentrum Moor und Klima (EFMK) sowie der Deutschen Gesellschaft für Moor- und Torfkunde (DGMT) erfolgen. Konzept Das Projekt ist in vier Arbeitspakete gegliedert: Experimente zur optimalen Produktion von Spendermaterial, Vermehrung vorhandener Diasporen Um Bulttorfmoose zukünftig in größerem Maßstab auf wiedervernässten Flächen auszubringen, ist zunächst ein optimales Verfahren zur Vermehrung der vorhandenen Spender-Torfmoose zu testen. Zur Produktion in größerem Maßstab werden die erfolgreichsten Behandlungsvarianten später auf größerer Fläche etabliert. Hydrologisch/biogeochemische Inventur und Monitoring bestehender Renaturierungsflächen Um potentielle Renaturierungsflächen hinsichtlich der Erfolgsaussichten für die Etablierung von Bulttorfmoosen einschätzen zu können, müssen eine Inventur und ein längerfristiges Monitoring erfolgen. Dafür werden Wiedervernässungsflächen verschiedenen Alters und unterschiedlicher ehemaliger Abbautechniken hydrologisch und biogeochemisch charakterisiert und vegetationskundlich eingeordnet. Perspektivisch sollen weitere Flächen in das Monitoringprogramm aufgenommen werden. Test optimaler Bedingungen zur erfolgreichen Etablierung im Freiland Auf den Monitoringflächen werden Torfmoose ausgebracht. Menge, Mischung oder der Zerkleinerungsgrad der Moose richten sich nach den erfolgversprechendsten Vermehrungsvarianten. Zudem werden Testflächen an verschiedenen Ammenpflanzen (scheidiges oder schmalblättriges Wollgras, Flatterbinse, Pfeiffengras) eingerichtet. Der Zuwachs und die Vitalität der ausgebrachten Bulttorfmoose wird anschließend über mindestens zwei Jahre beobachtet. Aus der vergleichenden Analyse mit den Standortortdaten lassen sich die erfolgversprechendsten Flächen(bereiche) identifizieren. Ausbringung von Spendermaterial in größerem Maßstab mit begleitendem Monitoring Auf denen ermittelten Flächen mit den größten Erfolgsaussichten werden Bulttorfmoose in größerem Maßstab ausgebracht. Sukzessive werden weitere Flächen beimpft und ein langfristiges Monitoring implementiert. Parallel wird über technische Möglichkeiten, nachgedacht die Ausbringung des Spendermaterials effektiv zu gestalten. Stand der Wissenschaft Die AG Ökosystemforschung des Instituts für Landschaftsökologie der Universität Münster hat seit 2010 im Rahmen von Abschluss- und Projektarbeiten zu verschieden Themenbereichen Untersuchungen in wiedervernässten Hochmooren Nordwestdeutschlands durchgeführt. Hierbei wurden auf über 50 Wiedervernässungsflächen in etwa 20 Mooren in 10 Landkreisen Niedersachsens Daten erhoben. Diese Untersuchungen fanden mit Unterstützung und in Kooperation mit dem Ingenieurbüro Hofer & Pautz, dem BUND Diepholzer Moorniederung, der Staatlichen Moorverwaltung Meppen, der Gramoflor GmbH & Co. KG sowie weiteren Torfabbauunternehmen statt. Diese Voruntersuchungen haben ergeben, dass die meisten hochmoortypischen Pflanzenarten, insbesondere Bulttorfmoose, nahezu vollständig fehlen. Neben zum Teil unpassenden oder noch nicht stabilen Standortbedingungen (Hydrologie, Nährstoffversorgung) ist dies vor allem auf Diasporenmangel zurückzuführen. Gerade in den landwirtschaftlich intensiv genutzten Regionen Nordwestdeutschlands überschreiten die atmosphärischen Stickstoffeinträge die für die Hochmoorerhaltung und -entwicklung angegeben kritischen Schwellenwerte (Bobbing & Roelofs 1995). Die Erhöhung der Stickstoffverfügbarkeit führt dabei zu abnehmender Konkurrenzkraft der Torfmoose gegenüber Gefäßpflanzen, was die nachhaltige Regeneration von Hochmooren zu selbstregulierenden Ökosystemen stark erschwert. Folglich müssen neben der Hydrologie insbesondere auch die Nährstoffverhältnisse bei der Hochmoorrenaturierung berücksichtigt werden (Lamers et al. 2000). Erfolgreich renaturierte wachsende Hochmoore bieten langfristig die Chance für eine Ausbreitung seltener Lebensgemeinschaften aus Flora und Fauna und ihren Erhalt in Nordwestdeutschland.
von links: Frau Hierse von der DBU, Ludwig Voss, Dr. Reinhard Stock, Josef Gramann, Gabriela Gramann, Dr. Klaus-Holger Knorr, Prof. Dr. Christian Blodau, Prof. Dr. Norbert Hölz und Dr. Till Kleinebecker
STIFTUNG Lebensraum Moor ©  2015
Vermehrung und Etablierung von Bulttorfmoosen auf wiedervernässten Hochmooren nach Abtorfung Ein Kooperationsprojekt von: Hintergrund Auf Initiative des Stiftungsunternehmens Gramoflor wurden 2010 seltene heimische Bulttorfmoose sichergestellt. Um großflächige Hochmoorrenaturierungen in Vechta und Diepholz vornehmen zu können, wurden in Abstimmung mit dem Naturschutz einzelne Moorrandbereiche in die Maßnahmen einbezogen, in denen Restbestände von Sphagnum papillosum, Sphagnum magellanicum, Sphagnum capilifolium, Sphagnum imbricatum und Sphagnum rubellum erhalten waren. 2011 startete die unternehmenseigene Forschung und Entwicklung erste Vermehrungsversuche in Vechta. Ziel war von Beginn an, die für die Entwicklung von wachsenden Hochmooren wertvollen Torfmoose zurück in die Renaturierungsflächen zu bringen und langfristig wieder in Norddeutschland zu etablieren. Die intakten Bulte wurden zunächst in eigens dafür konstruierten Anzuchtwannen der Marke Eigenbau und in bereits renaturierten Moorflächen ausgebracht. Die Entwicklung war so erfolgversprechend, dass die Unternehmensleitung sich gemeinsam mit der Stiftung Lebensraum Moor dazu entschloss, die Maßnahmen auf eine wissenschaftlich fundierte Basis zu stellen. 2013 entwickelte man gemeinsam mit dem Institut für Landschaftsökologie (ILÖK) der Universität Münster ein Projektkonzept. Gegenstand ist die wissenschaftliche Erprobung von Maßnahmen der aktiven Einbringung von Torfmoosen zur Optimierung der Renaturierung von wiedervernässten Hochmooren nach Abtorfung in Nordwest-Deutschland. Aus den gewonnenen Erkenntnissen sollen die bedeutendsten Faktoren, Möglichkeiten und Grenzen der Wiederherstellung einer hochmoortypischen Vegetation im Sinne einer vollständigen Hochmoorregeneration abgeleitet werden. Mittel- bis langfristiges Ziel der Zusammenarbeit zwischen Stiftung, Wirtschaft und Wissenschaft ist es, hochmoortypische Pflanzenarten, vor allem die für die Torfbildung wichtigen Bulttorfmoose, aktiv auf Wiedervernässungsflächen auszubringen, um so einerseits diese meist seltenen Arten zu fördern, aber auch die Entwicklung der Flächen in Richtung lebendes und torfbildendes Hochmoor zu beschleunigen. Ein besonderes Augenmerk liegt hierbei auf der damit verbundenen Wiederherstellung der Kohlenstoff-Senkenfunktion infolge erneuten Torfmooswachstums und Torfbildung. 2014 wurde die Initiative von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt als förderungswürdig eingestuft. Die DBU ist eine der größten Stiftungen in Europa und fördert innovative beispielhafte Projekte zum Umweltschutz. Das auf drei Jahre angelegte Forschungsprojekt läuft unter der Trägerschaft der Stiftung Lebensraum Moor. Kooperationspartner sind Gramoflor und die Westfälische-Wilhelms-Universität Münster. Alle Beteiligten erwarten aus dem Projekt wichtige Erkenntnisse für den Moor- und Klimaschutz. Diese sollen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und insbesondere anderen Akteuren in Naturschutz, Behörden, Wissenschaft und Torfwirtschaft in Form von „Best- Practice“-Ansätzen“ direkt vermittelt werden. Eine Verbesserung der aktuellen Renaturierungspraxis in abgetorften Mooren, ein Leitfaden für zukünftige Renaturierungen und ein Monitoring- Konzept sind Ziele des gemeinsamen Projekts, dessen Ergebnisse von großer Bedeutung für den Moor- und Klimaschutz sein könnten. Der Entsprechende Wissenstransfer soll in Zusammenarbeit mit dem Europäischen Fachzentrum Moor und Klima (EFMK) sowie der Deutschen Gesellschaft für Moor- und Torfkunde (DGMT) erfolgen. Konzept Das Projekt ist in vier Arbeitspakete gegliedert: Experimente zur optimalen Produktion von Spendermaterial, Vermehrung vorhandener Diasporen Um Bulttorfmoose zukünftig in größerem Maßstab auf wiedervernässten Flächen auszubringen, ist zunächst ein optimales Verfahren zur Vermehrung der vorhandenen Spender-Torfmoose zu testen. Zur Produktion in größerem Maßstab werden die erfolgreichsten Behandlungsvarianten später auf größerer Fläche etabliert. Hydrologisch/biogeochemische Inventur und Monitoring bestehender Renaturierungsflächen Um potentielle Renaturierungsflächen hinsichtlich der Erfolgsaussichten für die Etablierung von Bulttorfmoosen einschätzen zu können, müssen eine Inventur und ein längerfristiges Monitoring erfolgen. Dafür werden Wiedervernässungsflächen verschiedenen Alters und unterschiedlicher ehemaliger Abbautechniken hydrologisch und biogeochemisch charakterisiert und vegetationskundlich eingeordnet. Perspektivisch sollen weitere Flächen in das Monitoringprogramm aufgenommen werden. Test optimaler Bedingungen zur erfolgreichen Etablierung im Freiland Auf den Monitoringflächen werden Torfmoose ausgebracht. Menge, Mischung oder der Zerkleinerungsgrad der Moose richten sich nach den erfolgversprechendsten Vermehrungsvarianten. Zudem werden Testflächen an verschiedenen Ammenpflanzen (scheidiges oder schmalblättriges Wollgras, Flatterbinse, Pfeiffengras) eingerichtet. Der Zuwachs und die Vitalität der ausgebrachten Bulttorfmoose wird anschließend über mindestens zwei Jahre beobachtet. Aus der vergleichenden Analyse mit den Standortortdaten lassen sich die erfolgversprechendsten Flächen(bereiche) identifizieren. Ausbringung von Spendermaterial in größerem Maßstab mit begleitendem Monitoring Auf denen ermittelten Flächen mit den größten Erfolgsaussichten werden Bulttorfmoose in größerem Maßstab ausgebracht. Sukzessive werden weitere Flächen beimpft und ein langfristiges Monitoring implementiert. Parallel wird über technische Möglichkeiten, nachgedacht die Ausbringung des Spendermaterials effektiv zu gestalten. Stand der Wissenschaft Die AG Ökosystemforschung des Instituts für Landschaftsökologie der Universität Münster hat seit 2010 im Rahmen von Abschluss- und Projektarbeiten zu verschieden Themenbereichen Untersuchungen in wiedervernässten Hochmooren Nordwestdeutschlands durchgeführt. Hierbei wurden auf über 50 Wiedervernässungsflächen in etwa 20 Mooren in 10 Landkreisen Niedersachsens Daten erhoben. Diese Untersuchungen fanden mit Unterstützung und in Kooperation mit dem Ingenieurbüro Hofer & Pautz, dem BUND Diepholzer Moorniederung, der Staatlichen Moorverwaltung Meppen, der Gramoflor GmbH & Co. KG sowie weiteren Torfabbauunternehmen statt. Diese Voruntersuchungen haben ergeben, dass die meisten hochmoortypischen Pflanzenarten, insbesondere Bulttorfmoose, nahezu vollständig fehlen. Neben zum Teil unpassenden oder noch nicht stabilen Standortbedingungen (Hydrologie, Nährstoffversorgung) ist dies vor allem auf Diasporenmangel zurückzuführen. Gerade in den landwirtschaftlich intensiv genutzten Regionen Nordwestdeutschlands überschreiten die atmosphärischen Stickstoffeinträge die für die Hochmoorerhaltung und - entwicklung angegeben kritischen Schwellenwerte (Bobbing & Roelofs 1995). Die Erhöhung der Stickstoffverfügbarkeit führt dabei zu abnehmender Konkurrenzkraft der Torfmoose gegenüber Gefäßpflanzen, was die nachhaltige Regeneration von Hochmooren zu selbstregulierenden Ökosystemen stark erschwert. Folglich müssen neben der Hydrologie insbesondere auch die Nährstoffverhältnisse bei der Hochmoorrenaturierung berücksichtigt werden (Lamers et al. 2000). Erfolgreich renaturierte wachsende Hochmoore bieten langfristig die Chance für eine Ausbreitung seltener Lebensgemeinschaften aus Flora und Fauna und ihren Erhalt in Nordwestdeutschland.
Moor- und Naturschutz
von links: Frau Hierse von der DBU, Ludwig Voss, Dr. Reinhard Stock, Josef Gramann, Gabriela Gramann, Dr. Klaus-Holger Knorr, Prof. Dr. Christian Blodau, Prof. Dr. Norbert Hölz und Dr. Till Kleinebecker
von links: Frau Hierse von der DBU, Ludwig Voss, Dr. Reinhard Stock, Josef Gramann, Gabriela Gramann, Dr. Klaus-Holger Knorr, Prof. Dr. Christian Blodau, Prof. Dr. Norbert Hölz und Dr. Till Kleinebecker von der Universität Münster